Moderne Diagnostik trockener Augen – Präzise Analyse statt veralteter Standardmethoden
Autor: Dr. med. univ. Soheyl Asadi, veröffentlicht am: 17.05.2026
Trockene Augen zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Augenoberfläche. Symptome wie Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötungen oder verschwommenes Sehen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Dennoch wird die Diagnostik häufig noch unzureichend durchgeführt.
In vielen Fällen beschränkt sich die Untersuchung auf die Spaltlampe. Diese liefert zwar wichtige Hinweise, reicht jedoch allein nicht aus, um die komplexen Ursachen des trockenen Auges zu verstehen.
In unserer Trockenaugenpraxis setzen wir deshalb auf eine moderne, differenzierte Diagnostik, die alle relevanten Faktoren berücksichtigt – für eine gezielte und nachhaltige Therapie.
Trockene Augen sind multifaktorielI
Das trockene Auge ist keine einheitliche Erkrankung, sondern entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Störungen:
- Verminderte Tränenproduktion
- Instabiler Tränenfilm
- Verdunstung durch gestörte Lipidschicht
- Meibomdrüsen-Dysfunktion
- Entzündliche Prozesse am Lidrand
Entscheidend ist daher eine Diagnostik, die alle Komponenten des Tränenfilms und der Augenoberfläche analysiert.
Moderne Diagnostik in der Trockenaugenpraxis
1. Nicht-invasive Break-up-Time (NIBUT)
Die NIBUT misst die Stabilität des Tränenfilms ohne Reizung des Auges.
- Wie schnell reißt der Tränenfilm auf?
- Liegt eine erhöhte Verdunstung vor?
Ein zu schneller Filmabriss ist ein zentraler Hinweis auf trockene Augen.
2. Meibographie – Darstellung der Meibomdrüsen
Die Meibographie zeigt die Struktur der Meibomdrüsen im Augenlid.
Sie ermöglicht die Beurteilung von:
- Drüsenverlust (Dropout)
- Verkürzungen oder strukturellen Schäden
- Fortschritt einer Meibomdrüsen-Dysfunktion
- Verdunstung vor?
3. Tränenfilmanalyse
Eine moderne Tränenfilmanalyse untersucht die Zusammensetzung des Tränenfilms:
- Wässrige Phase
- Lipidphase
- Muzinschicht
So wird klar, welche Komponente gestört ist – eine wichtige Grundlage für die Therapie.
4. Tränenmenge – Grenzen des Schirmer-Tests
Die Messung der Tränenmenge ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik. Häufig wird jedoch noch der Schirmer-Test eingesetzt – eine Methode mit deutlichen Schwächen.
Dabei wird ein Papierstreifen ins Auge eingelegt, oft trotz vorheriger Betäubung. Das Problem:
- Reizung des Auges möglich
- Reflexartige Überproduktion von Tränen
- Verfälschte Ergebnisse (falsch negativ)
Patienten mit stark trockenen Augen können so unauffällig erscheinen.
Der Schirmer-Test ist daher:
- veraltet
- einseitig
- nicht ausreichend als alleinige Diagnostik
Moderne Diagnostik bewertet die Tränenmenge immer im Gesamtkontext.
5. Qualität des Meibomdrüsen-Sekrets
Nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Sekrets ist entscheidend.
Untersuchungskriterien:
- Klar und flüssig → physiologisch
- Zäh, fest oder pastös → gestörte Fettproduktion
- Verstopfte Drüsen → Sekretstau
Daraus ergibt sich:
- Ob ein Produktionsproblem vorliegt
- Oder eine mechanische Verstopfung der Drüsen
Beides führt zu einer instabilen Lipidschicht und verstärkter Verdunstung.
6. Interferometrie – Messung der Lipidschicht
Die Interferometrie ermöglicht die Beurteilung der Lipidschicht des Tränenfilms.
Dabei werden farbige Interferenzmuster sichtbar, die Aufschluss geben über:
- Dicke der Lipidschicht
- Gleichmäßigkeit der Verteilung
- Verdunstungsschutz des Auges
Eine zu dünne oder ungleichmäßige Lipidschicht ist eine der Hauptursachen für evaporative trockene Augen.
7. Lidschlag – Ein oft unterschätzter Faktor
Ein entscheidender, aber häufig übersehener Aspekt ist das Lidschlagverhalten.
Wichtige Faktoren:
- Lidschlagfrequenz
- Vollständigkeit des Lidschlusses
- Regelmäßigkeit
Probleme entstehen durch:
- Unvollständigen Lidschluss (z. B. bei Bildschirmarbeit)
- Reduzierte Blinkrate
Folgen:
- Ungleichmäßige Verteilung des Tränenfilms
- Schnellere Verdunstung
- Verschlechterung der Symptome
Die Analyse des Lidschlags ist daher ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Diagnostik.
Ganzheitlicher Ansatz unserer Trockenaugenpraxis
Unsere Praxis ist seit vielen Jahren auf die Diagnostik und Behandlung trockener Augen spezialisiert.
Unser Ansatz:
- Kombination modernster Untersuchungsmethoden
- Ganzheitliche Betrachtung aller Einflussfaktoren
- Individuelle Ursachenanalyse
Denn in den meisten Fällen liegt eine Kombination mehrerer Störungen vor, zum Beispiel:
- Meibomdrüsen-Dysfunktion + Tränenmangel
- Instabiler Tränenfilm + entzündlicher Lidrand
Nur durch eine differenzierte Diagnostik lassen sich diese Zusammenhänge erkennen.
Fazit: Präzise Diagnostik ist der Schlüssel zur erfolgreichen Therapie
Die klassische Untersuchung allein reicht heute nicht mehr aus, um trockene Augen korrekt zu diagnostizieren. In unserer Trockenaugenpraxis setzen wir deshalb auf eine moderne, differenzierte Diagnostik, präzise Analyse statt veralteter Standardmethoden.
Erst durch moderne Verfahren wie:
- NIBUT (Tränenfilmstabilität)
- Meibographie (Drüsenstruktur)
- Interferometrie (Lipidschicht)
- Tränenfilmanalyse
- Beurteilung von Tränenmenge und -qualität
- Analyse des Lidschlags
entsteht ein vollständiges Bild der Erkrankung.
Unser Ziel: Die Ursache erkennen – nicht nur die Symptome behandeln.
So ermöglichen wir eine individuelle, nachhaltige und wirksame Therapie trockener Augen.